Naturschutzgebiet "Dosenmoor"

Und die Moore tat man meuchlings
Trockenlegen wie die Säuglings,
Und der Moloch Industrie
Fraß den Torf weg wie noch nie.
Traurig sind die Reste.

Also ging man unverfroren
Um mit unseren schönen Mooren,
Spricht dazu noch ungeniert:
"Diese sind nun kultiviert".
Statt sich was zu schämen.


(Fritz Overbeck, "Das Große Moorlied")

Moor-"Basics":

Typisches Kennzeichen eines lebenden Moores ist die Bildung von Torf. Dieser entsteht dadurch, dass abgestorbene Pflanzenteile aufgrund von Luftmangel durch Nässe nicht vollständig in Humus umgewandelt werden können, sondern weitestgehend erhalten bleiben. Dadurch werden mit den Pflanzenteilen im Torf große Mengen von Kohlenstoff gespeichert. Wird ein Moor entwässert, entweicht der über Jahrtausende gespeicherte Kohlenstoff als Treibhausgas Kohlendioxid in die Atmosphäre und verstärkt den Treibhauseffekt und damit den Klimawandel. Moorschutz ist also Klimaschutz!

Beispiel für ein wachsendes, ungestörtes Hochmoor mit Torfmoosrasen, Wollgras und wenig Besenheide im Store Mosse Nationalpark, Süd-Schweden.
Beispiel für ein wachsendes, ungestörtes Hochmoor mit Torfmoosrasen, Wollgras und wenig Besenheide im Store Mosse Nationalpark, Süd-Schweden.

Solange sich der Vorgang der Torfbildung im Bereich des mineralstoffreichen Grundwassers abspielt, spricht man von einem Niedermoor. Die Torfbildung erfolgt z. B. durch verschiedene Seggen- und Moosarten.

Die "Erbauer" der Hochmoore - Torfmoose.
Die "Erbauer" der Hochmoore - Torfmoose.

Hochmoore sind dagegen aus dem Bereich des mineralstoffreichen Grundwassers herausgewachsen und werden ausschließlich von nährstoffarmen Regenwasser gespeist ("Regenmoore"). Die Torfbildung erfolgt bei einem Hochmoor vor allem durch Torfmoose. Die wurzellosen Moospflänzchen wachsen an der Spitze fortlaufend weiter, während die aus Licht- und Luftmangel absterbenden unteren Teile zu Torf umgewandelt werden. Dieser Moosteppich sichert sich dank der Fähigkeit, in speziellen Zellen Wasser zu speichern, die Wasserversorgung der Moorpflanzen auch während Trockenperioden. Bäume können auf ungestörten Hochmooren in Norddeutschland aufgrund der Nässe, der Nährstoffarmut und des sauren Millieus nicht mehr existieren. Mit den extremen  Bedingungen im Hochmoor kommt nur eine Auswahl hochspezialisierter Pflanzen - wie z. B. der "fleischfressende" Sonntau - noch zurecht. Das Dosenmoor ist ein Hochmoor. Hochmoore stehen mit ihrer hoch spezialisierten Pflanzenwelt an der Spitze der gefährdeten einheimischen Pflanzenformationen. Detaillierte Informationen über Hochmoore finden Sie hier.

Moore in Schleswig-Holstein:

In Schleswig-Holstein bedeckten früher ca. 150.000 ha Moore 9,1% der Landesfläche. 125.000 ha entfielen auf Niedermoore, 25.000 ha auf Hochmoore. Nach dem Datenbestand des LANU gibt es heute in Schleswig-Holstein noch insgesamt 543 ha lebendes Hochmoor - entsprechend nur noch 2 % der ehemaligen Fläche!

Das Dosenmoor

Trotz der in der Vergangenheit erfolgten Entwässerung, der erfolgten Kultivierung der Randbereiche (Umwandlung in Grünland) und des fast auf ganzer Fläche mehr oder weniger intensiv erfolgten Torfabbaus ist das 521 ha große Dosenmoor eines der am besten erhaltenen Hochmoore Schleswig-Holsteins. Allerdings befinden sich nur noch rund 2 % in ihrem ursprünglichen Zustand. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Bereich, der weder von Entwässerungsgräben durchzogen, noch abgetorft ist. Allerdings ist auch diese Fläche durch die Entwässerung der angrenzenden Flächen beeinträchtigt worden und deshalb kein wachsendes Hochmoor mehr, sondern eine Moorheidefläche.

 

Auf dem höchsten Punkt stehend, kann man noch schwach die vor der entwässerungsbedingten Sackung des Torfkörpers wesentlich eindrucksvollere, für diesen Moortyp typische uhrglasförmige Aufwölbung erkennen.

Nach Wiedervernässung breiten sich in einem ehemaligen Torfstich im Dosenmoor wieder Torfmoose und Wollgras aus.
Nach Wiedervernässung breiten sich in einem ehemaligen Torfstich im Dosenmoor wieder Torfmoose und Wollgras aus.

Seit 1978 laufen die Bemühungen, durch Wiedervernässung das geschädigte Moor zu regenerieren. Neben der Wiedervernässung bemühte man sich vor allem um die Zurückdrängung der sich ausbreitenden Birken und des Pfeifengrases - beides Störzeiger, die in intakten Hochmooren nur selten auftreten. Seit einiger Zeit werden Teilbereiche des Dosenmoores durch eine Wanderschafherde (= vom Schäfer geführt und gehütet) aus Moorschnucken und Ziegen beweidet, um junge Birken und Pfeifengras zurück zu drängen. Diese Maßnahme zeigt sehr gute Erfolge.

In den Sommermonaten frißt eine gemischte Herde von Moorschnucken und Ziegen im Dosenmoor für den Naturschutz. Pfeifengras und Birkenjungwuchs werden so erfolgreich zurück gedrängt.
In den Sommermonaten frißt eine gemischte Herde von Moorschnucken und Ziegen im Dosenmoor für den Naturschutz. Pfeifengras und Birkenjungwuchs werden so erfolgreich zurück gedrängt.

Ein zunehmendes Problem stellen aktuell jedoch Nährstoffeinträge aus der Luft dar: Stickstoffverbindungen aus der Landwirtschaft (Ammoniakausgasung bei der Gülledüngung) und aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe gelangen mit dem Wind auch in den letzten Winkel unserer Landschaft. So erfolgt auch auf landwirtschaftlich nicht genutzten Flächen eine Stickstoffdüngung, die zu einer schleichenden Verdrängung der an nährstoffärmste Verhältnisse angepaßten Lebensgemeinschaften des Dosenmoores und anderer Hochmoore sowie weiterer durch Nährstoffarmut geprägter Lebensräume wie Heiden und Magerrasen führt.

Von einem Bohlenweg aus kann die Pflanzen- und Tierwelt des Dosenmoores hautnah erlebt werden. Foto: Schukies.
Von einem Bohlenweg aus kann die Pflanzen- und Tierwelt des Dosenmoores hautnah erlebt werden. Foto: Schukies.

Der NABU und das Dosenmoor:

Der NABU bemühte sich schon 1969 um den Schutz des Dosenmoores. Nach zähem Ringen wurde 1976 der maschinelle Torfabbau verboten und 1977 dann endgültig eingestellt. Im Jahr 1978 begannen die ersten Regenerationsmaßnahmen, durch Aufstauung des Regenwassers. Doch es standen den Aktiven vom NABU noch Hindernisse im Weg. Z.B. Modellflieger beeinträchtigten damals die Vogelwelt noch in erheblichem Umfang. Erst mit der Landesverordnung des Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten des Landes Schleswig-Holstein vom 18.03.1981 wurde das Dosenmoor mit Wirkung 01. Mai 1981 schließlich unter Naturschutz gestellt.

 

Seit den 1980er Jahre kauft die NABU-Gruppe Neumünster mit der Hilfe vieler privater Spenden Flächen im Dosenmoor an, um unabhängig von der langfristigen Entwicklung der Politik den Fortbestand dieses besterhaltenen und damit bedeutendsten Hochmoores in Schleswig-Holstein zu sichern.

Kann ich persönlich aktiv etwas für unsere Moore tun ?
Ja! Verzichten Sie auf torfhaltige Blumenerde. Es gibt mittlerweile Blumenerden, die kein Torf mehr enthalten. Fragen Sie danach und schaffen so die moorschonende Nachfrage! Torfhaltige Blumenerden versauern den Boden und, da stimmen Sie uns sicher zu: Torf gehört ins Moor!

Eine andere Möglichkeit zu helfen: Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende beim Ankauf von Flächen im Dosenmoor und im Großen Moor bei Dätgen.

Interaktive Luftbildansicht des Dosenmoores (google-maps): Scroll- und Zoombar. Zusatzinformationen erhalten Sie beim anklicken der blauen Platzmarken!

Broschüre des Landesamtes für Natur- und Umwelt (LANU) Schleswig-Holstein über das Dosenmoor - zur Ansicht auf das Bild klicken!
Broschüre des Landesamtes für Natur- und Umwelt (LANU) Schleswig-Holstein über das Dosenmoor - zur Ansicht auf das Bild klicken!

Bildergalerie "Dosenmoor"

Hier finden Sie einige Bildimpressionen aus dem Dosenmoor. Die Galerie wird in loser Folge fortgesetzt. Zum Vergrößern auf die Bilder klicken!

Bildergalerie "Ungestörtes Hochmoor"

Hier finden Sie einige Bildimpressionen aus ungestörten, wachsenden Hochmooren im südlichen Schweden. Zum Vergrößern auf die Bilder klicken!