Amphibien und Kleingewässer

Den Schwerpunkt unserer Bemühungen im Amphibienschutz bildet derzeit die Verbesserung der Lebensraum- und Laichplatzsituation des Kammmolches in der Schwaleniederung bei Bönebüttel. Hierzu werden geeignete Laichgewässer geschaffen. Das erste wurde 2007 bereits im NABU-Waldgebiet "Hölle" fertig gestellt, bisher vier weitere folgten in den Folgejahren am "Fledermauswald":

Zunächst konnte dort im Herbst 2009 mit Hilfe privater Spenden und mit Fördermitteln der BINGO!-Umweltlotterie Schleswig-Holstein das Projekt "Gewässer für den Kleinen Wasserdrachen" (... der Kammmolch ...) umgesetzt werden. Im Rahmen dieses Projektes wurde konnte eine 0,5 ha große Grünlandfläche am "Fledermauswald" angekauft werden, auf der zwei Laichgewässer angelegt wurden. Von diesen Maßnahmen profitieren aber auch weitere Amphibienarten wie Moor- und Grasfrosch.

 

Im Herbst 2011 konnten am Südrand des Bönebüttler Geheges, in unmittelbarer Nachbarschaft des Fledermauswaldes, zwei weitere Laichgewässer angelegt werden. Die Finanzierung übernahm diesmal zu 100 % das Land Schleswig-Holstein.

 

Seit 2012 bemühen wir uns mit Genehmigung des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek um die Wiederansiedlung des Laubfrosches in der Schwaleniederung am Fledermauswald.

Kleingewässer bieten einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen einen Lebensraum.
Kleingewässer bieten einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen einen Lebensraum.

Warum Kleingewässer anlegen?

 

Kleine Tümpel und Teiche waren vor allem im östlichen Hügelland Schleswig-Holsteins ehemals zahlreich vorhanden. Teilweise waren sie natürlichen Ursprungs - z. B. in sogenannten 'Toteislöchern', die am Ende der letzten Eiszeit entstanden - teilweise wurden sie vom Menschen als Viehtränkteich oder Mergelgrube angelegt.

 

Im Zuge der Flurbereinigung und der Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung verschwanden innerhalb weniger Jahrzehnte bis zu 90 % der ehemals vorhandenen Kleingewässer. Hierdurch gingen in erheblichem Maße die Lebensräume von Fröschen, Kröten, Molchen aber auch Libellen und vielen weiteren Tierarten verloren. Kleingewässer zählen in unserer Landschaft zu den artenreichsten Biotopen - es sind sozusagen unsere 'Regenwälder'.

 

Um dem Verlust dieser wertvollen Biotope entgegenzuwirken, bemühen wir uns um die Anlage und Betreuung von Kleingewässern. Diese dürfen im Sommer auch gerne einmal austrocknen, damit sich in ihnen keine Fische ansiedeln können - Fische würden Eier und Larven der Amphibien fressen und so ihre Vermehrung erschweren oder unmöglich machen.

Blühender Wasserhahnenfuss am Ufer eines Tümpels.
Blühender Wasserhahnenfuss am Ufer eines Tümpels.

Die von uns neu angelegten Kleingewässer sollen zwar vor allem als Fortpflanzungsgewässer für Amphibien dienen, verbessern aber auch den Lebensraum z. B. für Fledermäuse: Durch die Vielzahl von Insekten, die durch derartige Kleingwässer angezogen werden bzw. in ihnen heranwachsen und diese dann verlassen, erhöht sich auch für Fledermäuse das Nahrungsangebot. Kleingewässer gehören zu den bevorzugten Jagdgebieten einiger Fledermausarten wie z. B. der Wasserfledermaus. Aber auch der Große Abendsegler schätzt den reich gedeckten Tisch über einem Gewässer.

Weitere Informationen zum Thema "Kleingewässer" gibt es unter den folgenden Links:

 

- Kleingewässer - Regenwälder der gemäßigten Breiten - Veröffentlichung des ehemaligen Landesamtes für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein (LANU, jetzt: Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, LLUR)

 

- Ein König sucht sein Reich - Das Artenhilfs- und Kleingewässerschutzprojekt des NABU-Landesverbandes Niedersachsen.

"Unsere" Gewässer kurz vorgestellt:

1. Das Waldgewässer in der "Hölle"

Das Waldgewässer im NABU-Wald "Hölle".
Das Waldgewässer im NABU-Wald "Hölle".

Das Kleingewässer in der "Hölle" wurde im Herbst 2007 angelegt und bereits nach dem zweiten Winter von den ersten Amphibien angenommen. Inzwischen vermehren sich hier Grasfrosch, Erdkröte und Teichmolch.

Der Bagger der Firma Ernst Krebs bei der Anlage des ersten von zwei Amphibiengewässern am "Fledermauswald".
Der Bagger der Firma Ernst Krebs bei der Anlage des ersten von zwei Amphibiengewässern am "Fledermauswald".

2. Das Projekt "Gewässer für den Kleinen Wasserdrachen" am "Fledermauswald"

 

Ende September 2009 brummte ein Bagger am "Fledermauswald": Auf dem Ende 2008 von der NABU-Gruppe Neumünster e. V. erworbenen Stück Wiese am Rand des vereinseigenen "Fledermauswaldes" wurden zwei Amphibiengewässer angelegt.

 

Die beiden Gewässer sollen vor allem dem "Kleinen Wasserdrachen" (dem Kammmolch) ein neues Zuhause bieten. Kammmolche leben im Natura2000-Gebiet "Bönebütteler Gehege" - zu dem auch der "Fledermauswald" gehört. Da aber innerhalb des Waldes keine optimalen Fortpflanzungsgewässer existieren, startete die NABU-Gruppe Neumünster e. V. das Projekt "Gewässer für den Kleinen Wasserdrachen", das von der Bingo!-Umweltlotterie finanziell gefördert wurde. Neben dem Kammmolch werden natürlich auch weitere Amphibienarten wie Teichmolch, Erdkröte, Gras- und Moorfrosch neuen Lebensraum finden.

 

Direkt nach Beendigung der Baggerarbeiten waren die beiden Mulden zunächst noch trocken; sie begannen sich aber im nassen Herbst 2009 rasch mit Wasser zu füllen (siehe Galerie). Ein völliges Austrocknen der Gewässer in trockenen Sommern ist in der Zukunft sogar erwünscht, damit sich keine Fische ansiedeln können. Sie würden die  Amphibienlarven in erheblichem Maße dezimieren und den erwünschten Fortpflanzungserfolg der Amphibien verringern.

Eines von zweien im September 2009 speziell für den Kammmolch am Rand des "Fledermauswaldes" angelegten Kleingewässern (Projekt "Gewässer für den Kleinen Wasserdrachen").
Eines von zweien im September 2009 speziell für den Kammmolch am Rand des "Fledermauswaldes" angelegten Kleingewässern (Projekt "Gewässer für den Kleinen Wasserdrachen").

 

Galerie "Gewässer für den Kleinen Wasserdrachen"

(für eine größere Ansicht bitte auf die Bilder klicken!)

3. Zwei weitere Kleingewässer am "Fledermauswald"

 

2010 konnten wir durch finanzielle Förderung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume zwei weitere Kleingewässer am Südrand des "Fldermauswaldes" anlegen. Mit dem dabei anfallenden Erdaushub wurde in Absprache mit dem zuständigen Wasser- und Bodenverband und den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten der Hauptentwässerungsgraben der angrenzenden Landeswaldflächen verfüllt. Dies geschah mit dem Ziel, in diesem Bereich des Natura2000-Gebietes "Bönebütteler Gehege" wieder naturnahe Wasserstände in den bis dahin entwässerten Waldsenken herzustellen. So entstanden innerhalb des Waldes wieder großflächig nasse Erlenbruchwälder, in denen sich derzeit Gelbe Schwertlilie und Wasserfeder wieder ausbreiten.

Kurz nach der Fertigstellung im November 2010.
Kurz nach der Fertigstellung im November 2010.
Und ein Jahr später - vom anderen Ufer aus betrachtet.
Und ein Jahr später - vom anderen Ufer aus betrachtet.

Hilfe für den Laubfrosch:

Wie schon 2008 und 2009, so unterstützt die AG auch in diesem Jahr die gemeinsame Amphibien-Initiative der Marius-Böger-Stiftung, des NABU-Eutin und des NABU-Plön: Im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojektes werden mit Genehmigung des LLUR junge Laubfrösche gezüchtet und im Kreis Plön und im Kreis Ostholstein in geeigneten Gebieten  ausgesetzt. Informationen über das Projekt des NABU-Eutin finden sie hier.

Kurz vor dem Sprung in die große weite Welt: Junger Laubfrosch aus der Unterstützungsaufzucht.
Kurz vor dem Sprung in die große weite Welt: Junger Laubfrosch aus der Unterstützungsaufzucht.

Weitere Informationen zum bundesweiten Amphibienschutz im NABU gibt es hier.